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Liebe Freundinnen und Freunde,

vor kurzem haben wir Euch den Bericht der letzten Reise zu unseren süditalienischen Hilfsprojekten für Geflüchtete geschickt und um Spenden gebeten. Wir freuen uns sehr, dass dieses Rundschreiben so viel Empathie ausgelöst hat, so dass wir wieder ein wenig Geld für die weitere Unterstützung zur Verfügung haben.
Unter dem Begriff

Ethische Lebensmittel sind möglich! Stopp Caporalato!

wollen wir über den Vertrieb von NoCap-Lebensmitteln ohne Ausbeutung und durch Spendensammlungen MigrantInnen an der italienischen Außengrenze Europas ihre Menschenwürde zurückgeben. Das liest sich kompliziert, aber es funktioniert.

Zur Erinnerung: Unser NoCap-Crowdfunding ist der Oberbegriff für die nachfolgenden Projekte.
  • Assoziatione NoCap holt Menschen aus den Ghettos in Apulien und Kalabrien und vermittelt gerechte Arbeitsverträge in Kooperation mit Obst- und Gemüseproduzenten, besorgt würdevolle Unterkünfte und Transportfahrzeuge, berät juristisch und schult für eine erfolgreiche Integration.
  • Casa Sankara. In dem autonomen Flüchtlingslager mit eigener Landwirtschaft und Schneiderei werden 500 Afrikaner im Zeitraum bis zu 18 Monaten bis zur erfolgreichen Integration untergebracht und für das Leben in ausländerfeindlicher und rassistischer Umgebung gestärkt.
  • Casa Betania (Häuser der Würde) - Don Antonio betreut 30 Migranten in Serra Marina und mehrere Familien mit Kindern in Cavone (Kirchenasyl und Feigenprojekt)
  • Spartacus. Gianantonio Ricci holt Menschen aus dem Zeltlager in San Ferdinando, verschafft ihnen Papiere, gerechte Arbeit, Transportfahrzeuge und bringt sie in Wohngruppen unter.
  • Persone Fragili. Neu! Als Unterprojekt von Spartacus betreut Gianantonio Ricci besonders schutzbedürftige MigrantInnen mit körperlichen Behinderungen und seelischen Verletzungen in einem eigenen Wohnprojekt.
Die Verantwortlichen vor Ort, aber vor allem Gianantonio berichten regelmäßig über die Fortschritte und Rückschläge in ihrem Wirkungsbereich. Gestern hat er uns wieder direkt aus dem Hotspot in San Ferdinando geschrieben:
Hallo Christiane und Karl,
wie geht es euch? War es bei euch auch so heiß?

Hier läuft es ganz gut, auch wenn wir bezüglich der Räumung des Zeltlagers (Anm.: Tendopoli, wir haben darüber im letzten Rundschreiben berichtet) erst nach dem 8. Juli genauere Informationen erhalten werden. Am 8. Juli findet nämlich ein Treffen zwischen der Region Kalabrien, der Präfektur und dem Bürgermeister von San Ferdinando statt, um festzulegen, wie und wann die Räumung erfolgen soll.

Was das Projekt für schutzbedürftige Menschen betrifft, möchte ich euch mitteilen, dass wir letzte Woche das Haus erhalten haben, das wir dankenswerter Weise mit dem Geld gemietet haben, das uns die Schweizer Gruppe spontan während ihrem Besuch überreicht hat. Das Haus ist in Ordnung (ich schicke euch so bald wie möglich Fotos), aber leider ist die Wasserversorgung noch nicht angeschlossen. Deshalb werde ich mich in den nächsten Tagen um die behördlichen Formalitäten für den Wasseranschluss kümmern. Außerdem bin ich auf der Suche nach gespendeten Möbeln für das Haus, vor allem Betten.

Am Freitag, 12. Juni, hat unser Schützling S. zusammen mit drei weiteren Jugendlichen eine Probearbeit absolviert, um im Lager der Firma Pata in Rombiolo (Anm.: Olivenölmühle) arbeiten zu können. S. hat das Probetraining bestanden, doch als er am nächsten Tag seine Arbeit aufnahm, fühlte er sich nach einigen Stunden sehr schlecht und konnte daher die Arbeit nicht fortsetzen. Leider passiert das jedes Mal, wenn wir ihm einen Job besorgen. Sein psychischer und körperlicher Zustand erlaubt es ihm nicht, in einem Team oder am Fließband zu arbeiten. Er hält dem Druck des Arbeitstempos nicht stand. Wahrscheinlich sollten wir ihm leichte Arbeiten zuweisen, wie Hausputz, Kochen oder die Pflege eines Gemüsegartens oder die Aufzucht von Hühnern und Kaninchen usw. Vorerst kümmern wir uns weiterhin um ihn und sorgen dank eurer außergewöhnlichen Hilfe für seine Unterkunft, Verpflegung, Kleidung und auch für die Smartphones, die Ihr uns geschickt habt.

Angesichts der Schwierigkeiten, die S. bei der Arbeit hat, haben wir beschlossen, das Verfahren einzuleiten, um eine staatliche Beihilfe für S. zu beantragen, denn tatsächlich übernehmen wir als Projekt Spartacus seit 20 Monaten die Verpflegung und alle anderen Grundausgaben für S. und das war eine große finanzielle Belastung für Spartacus. (Anm.: Spartacus ist das Hilfsprojekt der ital. Fairtradefirma TERRE GIUSTE in Mailand, die mit NoCap und mit uns eng kooperiert.)

Ich schreibe euch all dies, damit ihr nicht nur die Gruppe in der Schweiz, sondern alle bisherigen Unterstützer über den Verlauf des Projekts informieren könnt und darüber, dass wir leider weiter ständig Mittel benötigen, um diese Menschen zu unterstützen.

Vielen Dank für alles und herzliche Grüße
Gianantonio
Soeben hat Gianantonio dieses Foto mit der Nachricht geschickt, dass S. heute sein neues Zuhause beziehen konnte.

Unser Netzwerk muss wachsen

Wir sind sehr daran Interessiert, weitere Gruppierungen in das NoCap-Netzwerk zu integrieren oder mit ihnen zu kooperieren. Insbesondere muss die Zahl der Weltläden, der Bioläden oder der Biogastronomien noch steigen. Auch NGOs mit dem Hintergrund humanitärer Hilfe sind potentielle Partner, um Geld zu sammeln, Fahrzeuge (Minibusse) zu organisieren oder Freiwillige zu finden, die helfen, die Arbeit vor Ort zu erledigen. Sprecht Eure Mitmenschen, FreundInnen, ArbeitskollegInnen an, wie sie helfen können oder wie sie Hilfe aufbauen können. Vereine organisieren Wohltätigkeitsveranstaltungen. Warum nicht für NoCap? Warum nicht Gianantonio zur Seite stehen.
Das Betätigungsfeld ist weit, die Not ist groß!

Das Ghetto Tendopoli wird im August zwangsgeräumt.

Das wäre einerseits aus hygienischen Gründen dringend notwendig, andererseits ist das für die Menschen eine erneute humanitäre Katastrophe, wenn sie ihre drei Quadratmeter große Hütte verlieren. Es stehen keine Ersatzunterkünfte bereit. Die Bewohner, viele krank, arbeitsunfähig oder drogensüchtig stehen erneut auf der Straße oder sie schlafen im Pappkarton unter der Brücke. Sie werden ihre Plastikplanen und Blechplatten vorher in Sicherheit bringen und ein neues Ghetto gründen. Ein weiteres unter hunderten anderer. Das Elend wird nicht verschwinden, sondern nur ein Stück weiterziehen. Die Regierung glaubt, das Migrations- und Integrationsproblem lasse sich mit Planierraupen beseitigen oder unsichtbar machen. Wie tief kann Europa moralisch noch sinken? Es gibt Milliarden für den sinnlosen und aussichstlosen Kampf gegen die Migration aus, anstatt einen Bruchteil davon für ein wirksames Integrationsprogramm und Fluchtursachenbekämpfung.
Das Zeltlager aus der Luft und aus der Nähe
Angesichts der deprimierenden Thematik in diesem Rundschreiben gibt es leider nicht Viele, die bis hier lesen. Das sagt die Statistik...

Aber Du bist dabei!
Und Du darfst darauf zurecht stolz sein.

Bitte teile dieses Rundschreiben mit Menschen, die noch Empathie zeigen, anstatt wegzuschauen.
Wenn Du jemand kennst, der keine Erben hat:

Frag nach, ob er/sie das Vermögen hilfsbedürftigen Menschen zur Verfügung stellen möchte, anstatt dem Tierschutzverein.

Wenn Du am liebsten nur das glaubst, was Du selbst gesehen hast:

Besuche mit uns zusammen die Projekte und schau Dir während unserer nächsten Projektreise mit eigenen Augen an, wieviel Gutes Dein Geld schon bewirkt hat.

Es wird Dich garantiert glücklich machen!

Hier gehts zur NoCap-Seite mit allen Informationen
https://nocap.oeko-und-fair.de/

und hier direkt und ohne Umweg zum Spendenformular:
https://nocap.oeko-und-fair.de/campaigns/crowdfunding/donate/
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Karl Heinz Jobst