{"id":7642,"date":"2021-08-27T12:59:07","date_gmt":"2021-08-27T10:59:07","guid":{"rendered":"https:\/\/oeko-und-fair.de\/?p=7642"},"modified":"2021-08-27T12:59:10","modified_gmt":"2021-08-27T10:59:10","slug":"oeko-fair-im-interview-auf-slowfood","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oeko-und-fair.de\/?p=7642","title":{"rendered":"\u00d6ko &#038; Fair im Interview auf Slowfood"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.slowfood.de\/aktuelles\/2021\/ausbeutungsprobleme-aus-der-sogenannten-dritten-welt-ruecken-naeher\" target=\"_blank\">Slowfood Deutschland e.V.<\/a><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Ausbeutungsprobleme aus der sogenannten Dritten Welt r\u00fccken n\u00e4her\u201c<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Lebensmittel entstehen unter extrem problematischen sozialen Bedingungen. Auch, weil es kaum Sozialstandards f\u00fcr den Landwirtschaftsbereich gibt, die funktionieren. Die Folge: Fairtrade ist nicht nur im Handel mit s\u00fcdlichen L\u00e4ndern n\u00f6tig, sondern l\u00e4ngst auch innerhalb Europas. Bisher h\u00e4ngt das am Engagement einzelner. Slow Food fordert nun: Es braucht verbindliche Sozialstandards entlang der Wertsch\u00f6pfungskette. Die Initiative NoCap macht es vor, wie Christiane L\u00fcst erkl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>NoCap k\u00e4mpft gegen das sogenannte Caporalato-System. Es wird von kriminellen Organisationen bzw. der Mafia kontrolliert, die \u201cVorarbeiter\u201d einsetzt. Den meist afrikanischen Erntehelfer*innen wird dabei mit Gewalt und Erpressung der ohnehin geringe Lohn wieder f\u00fcr Transport, Miete f\u00fcr Wellblech- und Plastikplanenzelte und Wasserflaschen abgenommen. Das System nutzt dabei die Hilflosigkeit der Menschen aus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die industrielle Landwirtschaft in Italien ist von billigen Erntehelfer*innen abh\u00e4ngig. Es sei denn, die Produkte werden zu h\u00f6heren Preisen angeboten und die Kund*innen und Verbraucher*innen akzeptieren die Preise f\u00fcr ethisch erzeugtes Gem\u00fcse und Obst. Daran arbeitet die Initiative NoCap. Weitere Informationen gibt es <a href=\"https:\/\/nocap.oeko-und-fair.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">&gt;&gt; hier<\/a>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Frau L\u00fcst, Sie importieren unter dem Namen NoCap Lebensmittel vor allem aus S\u00fcditalien nach Deutschland, die unter wirklich fairen Bedingungen produziert wurden. Woher stammt die Idee?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Und wo setzt NoCap da an?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht vornehmlich darum, Menschen aus einer unw\u00fcrdigen Lebenssituation herauszuholen. Nicht nur in Italien, auch in Almeria, S\u00fcdfrankreich, zunehmend Griechenland.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Es gibt dort, mitten in der EU, doch eigentlich Gesetze, die unw\u00fcrdige Lebenssituationen vermeiden sollten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mafia hat das Gesch\u00e4ftsmodell entdeckt, Gefl\u00fcchtete in der Landwirtschaft auszubeuten. Die Menschen sind froh, dass ihnen erstmal jemand begegnet, ihnen Unterkunft gibt, sie arbeiten l\u00e4sst. Aber so landen am Ende Zehntausende Gefl\u00fcchtete in Ghettos. Dort hausen die Menschen unter unw\u00fcrdigen Bedingungen, werden abh\u00e4ngig und in der Landwirtschaft eingesetzt. Die geringen L\u00f6hne kn\u00f6pft man ihnen sofort wieder ab f\u00fcr Verpflegung, Transport, Unterkunft. Da ist in der Landwirtschaft ein perfides System der Ausbeutung entstanden, in manchen F\u00e4llen ist die Situation schlimmer als in den Ursprungsl\u00e4ndern der Gefl\u00fcchteten. Und das zieht sich \u00fcber die billigen Produkte, die so entstehen, bis nach Deutschland. NoCap befreit die Menschen aus diesen Lebensumst\u00e4nden, indem es mit den Landwirtschaftsbetrieben aushandelt, dass sie ihre Arbeitenden w\u00fcrdig bezahlen und unterbringen. Es geht immer darum, dass die Menschen die Sprache lernen und selbstst\u00e4ndig gemacht und \u201elegal\u201c werden. Wenn die Leute illegal sind, sind sie f\u00fcr die Mafia nat\u00fcrlich auch erpressbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ist das ein Problem des S\u00fcdens?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Italien finden sich F\u00e4lle mafaiartiger Ausbeutung in landwirtscahftlichen Betrieben im ganzen Land, bis hin zur Traubenlese in S\u00fcdtirol. Ausbeutungsprobleme aus der so genannten dritten Welt r\u00fccken zunehmend n\u00e4her.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Und in Deutschland?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier gibt es F\u00e4lle von Menschen aus Osteuropa, die in schlechten Unterk\u00fcnften zu schlechten Bedingungen leben m\u00fcssen, die sich kein Deutscher zumuten w\u00fcrde. Es ist nicht so krass wie in Italien, weil in Deutschland in der Regel nicht illegal in der Landwirtschaft gearbeitet wird, aber dennoch oft nicht zumutbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ihre Produkte bei NoCap sind Bio-Produkte. Warum braucht es bei \u00f6kologisch erzeugten Lebensmitteln zus\u00e4tzlich noch ein Soziallabel?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Soziale wird auch in der \u00d6ko-Bewegung oft ausgeblendet. Es wird einfach zu viel freiwilligen Initiativen \u00fcberlassen und zu wenig systematisch reguliert. Es gibt Billig-Bio, bei dem die Menschenrechte nicht mehr geachtet werden als im konventionellen Bereich. Und das ist ein Skandal.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Welchen Einfluss haben Verbraucher *innen in Deutschland auf das alles?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Je mehr NoCap Produkte verkauft werden, desto mehr Gefl\u00fcchteten k\u00f6nnen wir helfen. Im vergangenen Jahr waren es 450 Menschen, das Ziel f\u00fcr dieses Jahr sind 1.000. Dar\u00fcber hinaus hilft es, auf Zertifikate wie das Fairtrade-Logo zu achten und sich bewusst zu machen, woher die Lebensmittel kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Und wie finden Verbraucher*innen Ihre Produkte?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben ein eigenes Logo, an dem man die Produkte erkennt. Es gibt verschiedene Tomatenprodukte, die wir Deutschlandweit vertreiben. Eine \u00dcbersicht gibt es auf unserer Website. Wir bringen demn\u00e4chst auch Gro\u00dfgebinde f\u00fcr die Gastronomie auf den Markt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zieht der konventionelle Lebensmittelhandel in Deutschland mit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier und da. Wir probieren alles. Aber fl\u00e4chendeckend sind gr\u00f6\u00dfere Handelsstrukturen oft schwierig, weil die spezielle Preisvorstellungen haben. Und weil zu viele Konsument*innen noch den Eindruck haben, dass 50 Cent f\u00fcr eine Dose Tomaten doch reichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Und bleibt NoCap auf Tomatenprodukte begrenzt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben in den vergangenen Monaten schon auf Vorbestellung Zitrusfr\u00fcchte importiert. Das werden wir ausweiten. Ebenso wie weitere Produkte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die Fragen stellte Sven Prange<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: Slowfood Deutschland e.V. Ausbeutungsprobleme aus der sogenannten Dritten Welt r\u00fccken n\u00e4her\u201c Viele Lebensmittel entstehen unter extrem problematischen sozialen Bedingungen. Auch, weil es kaum Sozialstandards f\u00fcr den Landwirtschaftsbereich gibt, die funktionieren. Die Folge: Fairtrade ist nicht nur im Handel mit s\u00fcdlichen L\u00e4ndern n\u00f6tig, sondern l\u00e4ngst auch innerhalb Europas. 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